Archiv der Kategorie: Materialtests

Frühling in Höflein

Letzte Woche bin ich wieder mal nach Höflein ausgerückt. Sicher, die Nachttemperaturen sind derzeit noch etwas niedrig, aber die Sonne am Tag hat mir den ersten Sonnebrand des Jahres verpasst (Sonnenschutz wäre gut gewesen).

Da in Höflein ständig der Wind bläst konnte ich auch die NVA Zeltplanen als Windschutz ausprobieren. Sind wirklich schön stabil (aber auch schwer) und mit zwei davon lässt sich ein guter Windschutz aufbauen. Großes Plus: der dicke Stoff ist für Funkenflug nahezu unempfindlich, auch ein Faktor wenn man in einer windigen Gegend ein offenes Feuer macht. Trotzdem tendiere ich dazu die Planen eher als Unterlage oder Notzelt zu nutzen und bleibe bei meinen leichteren Tarps von Tatonka wenn es um Windschutz oder Sonnensegel geht.

Ausprobiert hab ich auch den Innenschlafsack Thermalite Extreme. Ergebnis: hm. Das Plus: einen Innenschlafsack kann man leichter waschen als den Schlafsack an sich. Einen großen Wärmegewinn hab ich trotzdem nicht verspürt, aber das liegt auch daran das mein Schlafsack für die Temperaturen völlig ausreichend ist.

Feuerchen, Zelt und Schlafsack, dazu noch blühende Bäume, zutrauliche Ziesel und die ersten Bienen und Hummeln: Auf jeden Fall ein sehr rundes Wochenende.

Low-Budget Trekking

Eine ganze Industrie lebt vom Outdoor-Boom, und es ist leicht für gute Ausrüstung viel Geld loszuwerden. Aber ist es auch möglich eine brauchbare Ausrüstung zusammenzustellen ohne gleich den Ausgleich anzumelden?

Die Antwort ist: ja, wenn man bereit ist etwas zu basteln und beim Gewicht auf die neueste Ultra-Leicht-Lösung verzichtet. Und sich auf das Notwendigste konzentriert (okok, da ich gerne mal Ausrüstung teste sollte ich mir das sowieso IMMER mehr zu Herzen nehmen und weniger mitschleppen). Hier meine Ideen zu DIY und geringeren Ausgaben:

Zelt/Tarp: 

Eine NVA Zeltbahn (2x) 31b1ym1xpflist bei Amazon um 7,90 das Stück erhältlich. Dafür kriegt man eine schwere, aber stabile Zeltplane mit Ösen aus alten Militärbeständen, die auch nicht anfällig für Funkenflug ist und Dank der Knöpfe sowohl als simples Zelt, Tarp, Unterlage oder Poncho verwendbar ist. Mit zwei davon  kann man entweder ein simples Zelt aufbauen oder eine Kombination aus Unterlage und Tarp. Einige Schnüre als Abspannung muss man halt zusätzlich besorgen. Als Stütze dient der

Wanderstab:

05092430Beim Wandern unerlässlich (für mich), und um mit den Zeltplanen ein Lager aufzubauen braucht es keine teuren Alu-Stäbe oder Zeltstangen. Der gute alte Wanderstab, in ausreichender Länge im Wald geschnitten, mit einer dicken Schraube am unteren Ende damit sich der Stab nicht gleich auflöst – fertig. Verzierungen oder Griffe können je nach handwerklichen Fähigkeiten geknüpft oder geschnitzt werden – alles optional.

Kleidung und Schuhe:

Moderne Funktionskleidung hat sicher ihre Vorteile. Zum Wandern reicht aber auch die gute alte Jean, ein Flanellhemd und ein Pullover für die Wärme (Wolle hat von den Wärmeeigenschaften immer noch weit die Nase vorne, vor allen möglichen Kunstfasern). Die oben erwähnte NVA-Plane kann man auch als Regenponcho verwenden, eine gute Regenjacke ist da aber besser und kompakter.

Bei den Schuhen scheiden sich die Geister. Als Waldviertler-Fan nehme ich hier den höheren Kaufpreis zu Gunsten der langen Haltbarkeit in Kauf. Mit Trekking-Schuhen aus dem Sportgeschäft-Abverkauf fährt man aber genauso gut wie mit Arbeitsschuhen vom Bauhaus, so diese gut passen.

Rucksack:

Alle teuren Systeme leben von vier Punkten: Tragekomfort, Modularität, Wasserdichtheit, Haltbarkeit. Für kleinere Touren reicht es aber völlig einen günstigen kleinen Rucksack aufzumotzen.

Guten Komfort weil mit gut gepolsterten Trägern ausgestattet bietet z.B. der Rucksack aus dem Elch-Family Shop. Der hat eine vernünftige Größe für Tageswanderungen, seitliche Taschen für Trinkflaschen, und innen eine praktische Aufteilung. Aber egal welchen Rucksack man nimmt: halbwegs formstabil sollte er sein, damit das Kreuz auch an längeren Tagen nicht aufgibt.

Für’s Trekking ist der Stauraum so eines kleinen Rucksacks aber zu begrenzt. Hier kann man sich mit etwas Gurtband aus dem Bauhaus, sowie einem stabilen Sternzwirn und dicken Nadeln helfen. Teure Hersteller werben mit Molle-Kompatibilität – dabei sind das auch nur ein paar aufgenähte Gurtbänder. Also näht man einfach dort wo es sinnvoll ist an den Seiten und auf der Rückfront einige Streifen Gurtband an, schon kann man modular zusätzliche Tascherl befestigen (z.B. auch die kleinen Kulturbeutel aus dem oben genannten Shop). Einige Schleifen davon oben und unten, Gummispannschnur auch aus dem Bauhaus und schon ist eine Befestigungsmöglichkeit für Zeltplane, Schlafsack und Matte vorhanden. Zuviel sollte man einem kleinen Rucksack aber trotzdem nicht aufbürden. Das sieht dann so aus:

Wasserdicht wird der Rucksack damit nicht – hier schaffen stabile Müllsäcke, in die man sein Reservegewand und den Schlafsack einwickelt Abhilfe ohne den Geldbeutel wesentlich zu belasten. Auch die oben angeführten Planen kann man gleich zum Einwickeln von nässeempfindlichen Teilen verwenden.

Kochen, Geschirr:

Es muss kein Spezialgeschirr sein. Ein paar günstige Frühstücksboxen (gibt es oft beim Käse-Kauf gleich als Verpackung) sorgen dafür das die Jause nicht zerquetscht wird und dienen gleichzeitig als Schüssel fürs Essen.

131227003Eine normale PET-Mineralwasser-Flasche tut es für den Flüssigkeitstransport und kostet gar nichts extra.Und soll es wirklich was Namhaftes sein: Nalgene gibt es in jedem Labor-Geschäft um einen Bruchteil des normalen Entgelts.Weicher Body, aber der Deckel hält.

131227001Ein kleiner Spiritus-Kocher aus Bierdosen, mit einem Dosenblech als Ständer und Windschutz sowie ein kleiner billiger Stahltopf mit Griff runden das Kochgeschirr ab. Ist Feuermachen erlaubt wo man hingeht kann man eventuell einen Rost aus einem alten Griller mitnehmen. Und ein günstiges Häferl für den Tee findet sich auch bald. Eine Gabel und ein Löffel sind zwar vielleicht nicht Ultra-Light – so sehr fallen die aber auch nicht ins Gewicht.

Licht:

Taschenlampen sind irgendwie so ein Lieblingsspielzeug wo ich mich oft frage was überhaupt nötig ist. Schlägt man sein Lager auch mal nach Sonnenuntergang auf weiß man sie doch zu schätzen. Aber auch hier gibt es viel Spielraum

Teure Campingleuchten? Bei jeden Bauhaus oder auch beim Möbelix gibt es diese kleinen runden LED Leuchten. Halten ewig durch, mit einem Haken und einem Magnet auf der Rückseite sind sie auch vielseitig im Lager, Haushalt oder beim Auto einsetzbar. Wasserdicht sind die zwar nicht, aber völlig ausreichend.

131222002131222003LED Lampe Bauhaus

Soll es doch eine Taschenlampe sein gibt es von allen Batterie-Herstellern auch günstige kleine Lampen, dank LED-Technologie leisten die sogar etwas. Auch bei Tschibo/Eduscho findet man sowas immer wieder. Trotzdem sollte man (weil es keinen nennenswerten Preisunterschied macht) darauf achten zumindest eine LED der neuen Generation zu bekommen. Leicht erkennbar: diese kleinen Kuppeln wie bei der runden Bauhauslampe oben – das sind die Alten….die neuen LED’s sehen aus wie winzige flache Rechtecke und leisten weit mehr.

Egal wie man kombiniert, ein Tipp der Gewicht spart und die Flexibilität erhöht: Man sollte drauf achten das alle Geräte die gleiche Batterietype verwenden. Die runden Bauhaus-Leuchten verwenden z.B. 3xAAA, nimmt man eine passende Taschenlampe dazu kann man sich gleich mit 4 Akkus ausrüsten. Somit hat man zur Not Reserven weil man die Batterien zwischen den Lampen tauschen kann und schont die Umwelt.

Werkzeug:

131222004Hier spare ich durch Minimalismus: ein Taschenmesser deckt alles ab was man zum Trekking braucht. Leatherman ist zwar gut, hat aber auch seinen Preis. Für die kleine Brieftasche ist man mit einem Victorinox Huntsman am Besten bedient. Ein großes Fahrtenmesser oder eine Axt ist nur nötig wenn man wirklich ernsthaft Feuerholz machen will – und da stellt sich ohnehin die Frage wo ein großes Feuer überhaupt erlaubt ist.

Will man unbedingt ein Outdoor-Messer ist man beim Eigenbau am besten bedient, eine gute Klinge und etwas G10 für den Griff belasten die Brieftasche nicht über Gebühr – es setzt allerdings handwerkliche Fähigkeiten und etwas Werkzeug voraus.

Herbstcampen und Baumfällen

Spätherbstliches campen fordert etwas Überwindung, dabei sind die Temperaturen noch nicht wirklich im Keller. Aber ich dachte mir: tasten wir uns mal langsam heran. Mit einem kleinen Feuerchen ist am Abend gut sitzen, wäre es nicht nur für eine Nacht würde ich auf jeden Fall noch ein Tarp als Windschutz aufspannen – Höflein neigt doch dazu eher windig zu sein.

Die Nacht war gemütlich. Der Carinthia-Schlafsack und die Therm-A-Rest Pro Matte reichen derzeit völlig aus – eigentlich fast langweilig *ggg* – ich muss wohl nochmal ausrücken wenn der Winter wirklich da ist. Für das Zelt war das Wetter keine Herausforderung…

Die nebelige Stimmung am Morgen lud natürlich dazu ein eine Runde mit der Kamera zu machen.

Dann ging es dem toten Apfelbaum an den Kragen. Die meisten Äste hab ich schon mit der Felco erledigt, für den Stamm kam dann eine Stihl 024 zum Einsatz – bereits etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch ein Super-Gerät (Bilder davon folgen). Und ich habe mir gleich Tipps geholt was so ein modernes Äquivalent dazu wäre.

Damit hatten wir den Baum in Kürze zerlegt. Schade nur – das Holz war ziemlich morsch, nur wenig dabei ist zum Weiterverarbeiten wirklich brauchbar. Aber für den Ofen wird es reichen, jetzt kann es mal über den Winter trocknen.

 

Der Sohn des Hibachi

Ich liiiebe Werbung, vor allem wenn ein Gerät in den höchsten Tönen gelobt wird. Und nachdem ich in Kroatien mit einem billigen Griller gearbeitet hab und immer Angst hatte das er zusammenbricht hab ich mir etwas Besonderes bestellt.

The Son of Hibachi.

Die Beschreibung klingt ja toll. Ausklappbar, im zusammengeklappten Zustand heizt er mit Kamineffekt an, brennt sich dabei auch gleich aus, Aschelade, gar nicht so kleine Fläche, leicht zu verstauen und kann heiß in die Tasche gestellt werden damit in der Kombi von Luftabschluß und feuerfestem Material die restliche Kohle schnell ausgeht. Soweit so gut – jetzt die Praxis.

Anheizen funktioniert wie beschrieben. Bis die Kohle oben aber durchgeglüht ist war die unterste Kohle bereits primär Asche. Aber ok.

Handling – ok, hält was versprochen wurde, das Ding ist massiv, einzig die oberen Bügel sollte man schon während des Anheizens seitlich wegklappen, sonst gibt es trotz des großzügigen Abstands eine heiße Überraschung.

Versagt hat der Sohn leider beim grillen selbst. Die Luftzufuhr ist einfach nicht ausreichend, die Kohle die noch nicht angebrannt ist muss man extra anblasen, der Rest droht auszugehen. Ok, mit etwas Wind wäre es vielleicht anders – aber den hatte ich heute mal nicht.

Das ein “Plattengrill” nicht mit einem Kugelgrill mithalten kann ist klar. Drum hat das grillen auch entsprechend lange gedauert. Aber nun die Kurzfassung:

Pro:

  • solides Material
  • klein verstaubar wenn auch schwer
  • Kamineffekt zum anheizen funktioniert
  • Hitzefeste Tasche zum schnellen wegpacken ist toll

Contra:

  • Versagt im eigentlichen Zweck: grillen ist mühsam
  • viel zu schwer für Wanderungen

Fazit:

Wo geht werde ich weiterhin einfach mit einem Gitter über Feuer kochen. Ist viel genauer, schneller, simpler. Auf Campingplätzen hat der Sohn eine Berechtigung, ich schau mich aber um einen kleinen Tisch-Kugelgrill um, kostet weniger und bringt mehr.

Enzo Necker

Sicher, ein Outdoor-Messer mit dem man Holz spalten oder einen Bären abhäuten kann muss halbwegs groß und stabil sein. Geht man aber, so wie ich, im Wald eher Schwammerl jagen, stellt man schnell fest das so ein Messer bei kleinen Eierschwammerl oder beim putzen eher unhandlich ist.

Wie praktisch das mein Lieblings-Klingenlieferant Brisa jetzt unter seiner Hausmarke das Enzo Necker herausgebracht hat. Mit einer 7cm Klinge ist das kleine Necker nicht so eindrucksvoll wie seine großen Brüder, liegt dafür aber umso besser in der Hand. Die Klinge ist trotzdem noch 3mm dick und somit auf der sehr stabilen Seite. Und wie gewohnt ist die Schärfe nicht zu verachten, genauso wie die Qualität des verwendeten Stahls. Necker würde ich übrigens mit dem waidmännischen “Knicker” übersetzen, da hab ich von meinem Großvater noch einen zuhause, der ist aber nicht rostfrei.

Verkauft wird das Necker als reine Klinge oder als Bausatz mit Messingöse, Stiften, einer Schraubniete und verschiedenen Griffhölzern oder Kunststoffen. Mit etwas Fingerfertigkeit wird daraus ein wunderschönes Messer, im Bild meine Version mit Wüsteneisenholz. Ab in den Wald, sag ich nur.

Link: Brisa Enzo Necker