Stoffe färben

 

Rinde und gehäckselte Aststücke ausgelegt zum oxidieren (ein kleiner Teil)Wozu färben? Man könnte sich ohne weiteres auf die Eigenfarben der Stoffe beschränken. Wolle gibt’s von fast schwarz bis weiß in allen Schattierungen, Leinen von grau bis beige, Hanf liefert wunderschöne Beige-Töne, und auf die Funktionalität der Kleidung hat die Farbe keinen Einfluss.

Trotzdem haben Menschen – sofern sie es sich leisten konnten – seit Ewigkeiten Stoffe gefärbt. Farbe war immer auch ein Zeichen von Stand oder Reichtum, unterschied Bürger, Bauern, Priester und Adel. Logisch, weil das Färben von Stoff immer einen Einsatz von Farbstoffen und nicht unerheblicher Arbeitszeit bedeutet.

Neben dem nicht unerheblichen Arbeitsaufwand setzt Färben aber auch eine gewisse Erfahrung im chemischen Bereich voraus. Während Wolle gutmütig Farbe aufnimmt lässt sich Leinen z.B. Farbe nur über das gute Zureden mit einer Beize überreden. Und die Herstellung einer blauen Farbe mit Waid oder Indigo ist chemisch schon eine sehr gefinkelte Sache, bei der mich wieder mal verblüfft hat wie Menschen auf die Idee kommen das eine gelbe saure Lösung unter Sauerstoff-Einfluss plötzlich zu blau wird und sich dabei herrlich wasserfest in den Stoff einbindet…

Beizen mit Alaun und WeinsteinGenerell lässt sich dazu sagen: Chemie wie wir es heute kennen und verstehen gab es vielleicht im Altertum und Mittelalter nicht, im Sinne “wissen das bei einem Zusatz von NaCl zu KaOH dann NaOH und KaCL entsteht.” Und darauf lass ich mich heute auch nicht festnageln weil Chemie immer meine schwache Seite war, und Erfahrungsgemäß: Die Wenigsten wissen derlei HEUTE. Was die aber sicher im Mittelalter wussten ist: wie es funktioniert. Vielleicht nicht immer genau reproduzierbar, dafür musste man dann schon Meister sein. Aber sie wussten dass es funktioniert.

Wie man färbt

Ich sag’s gleich, der große King bin ich damit auch nicht. Hier aber trotzdem mal die vereinfachte Beschreibung:

Farbe (auf natürlichem Wege) findet man in fast allen Pflanzen zu genüge. Man muss es nur herausholen, in den meisten Fällen heißt das: auskochen. Und man kann schon im Anfangsstadium davon ausgehen: du brauchst viel Material. Für meine ersten Versuche hab ich fast eine Gartensaison lang Äste von Apfel, Zwetschke und Weichsel entrindet, getrocknet und oxidieren lassen. Ist eine riesen Haufen geworden den ich dann ausgekocht hab – und war trotzdem zu wenig.
Eine sehr gute Auflistung möglicher Materialen mit Farbtabelle findet ihr » hier.

Sicherheitshinweis

Wichtig auch: Handschuhe, Platz zum aufhängen und abtropfen, die eigene Kleidung sollte notfalls entsorgbar sein. Weil:

Grundsatz Nr. 1 des Färbens:

Egal welche Farbe, egal in welchem Zwischenschritt, selbst wenn die Farbe auf deinem Färbegut keinerlei Eindruck hinterlässt: auf deinen Fingern, deinem Hemd, deiner Hose und deinem Teppich entstehen bleibende Flecken die kein Einsatz modernster Chemie je wieder entfernen wird. Das schließt auch mit ein das genau DIESER Fleck absolut lichtecht ist, während die Farbe im Färbgut nach einer Woche Sonnenlicht wie Zaubertinte verschwindet.

Behälter

Damit kommen wir gleich zum nächsten Problem: seeehr große Töpfe. Mein 15l Topf mag selbst für größere Gesellschaften ausreichend Gulasch, serbische Krautsuppe etc. liefern – für’s färben stellt es grad mal das Minimum dar. Ich hab meine Ausstattung dann noch um einen großen 25l Plastikkübel für’s stehenlassen/abtropfen ergänzt. Aber hier kann man getrost sagen: Mehr IST mehr. Dementsprechend muss allerdings auch der Herd/die Feuerstelle ausgelegt sein.

Beizen

Bei Holz ist eine Beize normalerweise keine Vorbereitung sondern bereits die Farbe an sich. Bei Stoff ist die Beize eine Vorstufe zum eigentlichen Färben wo man mit Alaun und oder Weinstein (und diversen anderen Substanzen) den Stoff für die Farbe aufnahmebereit macht. In den meisten Fällen dadurch das man den Stoff darin mal aufkocht für ein-zwei Stündchen und dann über Nacht stehen lässt. Manches geht zwar auch ohne Beize, das Farbergebnis wird aber in allen Fällen intensiver. Die meisten notwendigen Substanzen gibt es in der Apotheke.

Färben

Färben. Stoff immer schön hochziehen und in die Farbe reinlassen

Hat man erst einmal viel Material ausgekocht und damit so eine richtig dicke kochende Farbbrühe aus Rinde, Birkenblättern oder ähnlichem kann man den vorgebeizten Stoff hinzufügen. Faustregel: am besten wird das Urmaterial gefärbt, dann verteilen sich Unregelmäßigkeiten schon z.B. in der ungesponnenen Wolle. Bereits verzwirntes Material geht auch, hier kann es aber schon zu Unregelmäßigkeiten kommen die aber dann zumeist beim weben untergehen. Ganze Stoffstücke sind schwierig: der Behälter muss groß genug sein damit ein gleichmäßiges Ergebnis überhaupt möglich ist.

In der Brühe lässt man jetzt mal alles für zwei Stunden köcheln und wiederum ggfs. überSchön abtropfen und trocknen lassen Nacht einfach ziehen. Mein Trick für eine gleichmäßiges Ergebnis: ich hab den Stoff aus dem Kübel raus auf einem Kleiderbügel aufgehängt und abtropfen/trocknen lassen. So rinnt die Farbe nochmals halbwegs gleichmäßig durch den Stoff ab (bis auf die Stelle wo der Bügel ist). Fertig? Nein.

Für ein besseres (intensiveres) Ergebnis die Brühe nochmal aufkochen, und den Stoff noch eine Runde rein. Nennt man 2. Zug, ggfs. kann man einen dritten auch noch machen. Dann erst endgültig: trocknen lassen.

Fixieren

Mancher kennt es schon vom Seidenmalen: Farbe fixiert man am besten mit Essig. Einfach die Großflaschen vom Metro oder so besorgen, und den Stoff drin einlegen. Abtropfen und trocknen lassen. Nass schaut es immer gut aus, trocken in diesem Stadium zumeist auch noch.

Waschen

Nun kommt der spannende Augenblick: separat!! waschen. Egal wie gut Beize, Färben oder Fixierung ist: beim ersten Gang verliert der Stoff die ganze Farbe die NICHT aufgenommen wurde. Oder mehr – wenn beim etwas färben schiefgegangen ist. Ohne waschen hat man das Zeug auf der Haut. Ich benutze hier ganz unmittelalterlich die Waschmaschine und lass mal 2 Spülgänge ohne Waschmittel durchlaufen. Zum Schluß (wenn es das nicht aushält war es sowieso umsonst) mach ich dann noch einen Gang mit Waschmittel. Jetzt noch trocknen und daaann sieht man eigentlich zum ersten mal das wirkliche Ergebnis.

Farbe konservieren

Vielleicht ein nicht unwichtiger Punkt: da hat man literweise Farbbrühe herumstehen, vielleicht schon zu dünn zum färben, aber kein Material mehr, keine Lust mehr, keine Zeit mehr….was tun? Wegschütten?

Mir ist es zu schade: heuer möchte ich wieder Material sammeln, wieder eine stärkere Konzentration erreichen. Also möchte ich den ersten Versuch haltbar machen. Daher hab ich (nicht besonders energiesparend) die Brühe eingedampft bis sie dünnflüssig wurde. Diese Paste hab ich dann in eine flache Pfanne rinnen lassen und einfach über den Winter auf der Heizung stehen lassen bis sie richtig zäh wurde und dann in ein kleines (wegwerfbares) Plastikschüsserl umgefüllt und endgültig auf der Heizung aushärten lassen. Übrig bleibt ein dunkler “Kuchen” der praktisch ewig haltbar ist. Diesen werde ich jetzt mit der Raspel zu Pulver zermahlen und beim nächsten Versuch beimischen. Handschuhe sind bei dieser Aktion vielleicht keine schlechte Idee.

Update: Das funktioniert soweit, und ja, die Handschuhe waren eine gute Idee… passt in ein kleines Einmachglas und riecht immer noch intensiv…eben eine Mischung aus Apfel und Zwetschke.

Bilder: Farbkuchen raspeln und mahlen

Gutes Gelingen!

25.06.2012 Und hier noch ein neuer Versuch: die Farbe Weichsel

Links:

Ein Gedanke zu „Stoffe färben“

  1. Kaltbeize: Essigsaure Tonerdetabletten aus der Apotheke nach Vorschrift auflösen, ab besten in Regenwasser. Wolle einlegen, erster Zug nach 24 Stunden zu verwenden, nächster Zug nach einigen Tage. Zum Färben die Wolle gut abtropfen lassen und spülen. Funktioniert auch bei Seide. Beize hält sich bei kühlem Wetter mehrere Wochen – oder bis sich der Geruch verändert 😀
    Auch: Tonerdebeize nach J. Harborth : zeitaufwendiger in der Herstellung, soll aber monatelang haltbar sein. Zu finden in: Das Lavendelschaf 12/05 Liebe Grüße Edith Wirtl

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