Feuer

Grundlagen

Warum widme ich diesem Thema eine eigene Seite? Nun, einerseits kann man per Feuer die Holzreste verwerten die sich nicht für andere Verarbeitung eignen. Dann liefert Feuer uns eine archaische Ruhe und Entspannung wenn wir einfach davorsitzen. Wärme, im Winter kein unbedeutender Faktor. Viertens kann man damit auch Essen kochen. Aber sogar der Rauch an sich hatte bereits eine soziale Komponente, lange bevor Tabak aufkam. Und selbst die Asche ist kein nutzloser Rest – meine Experimente zum Thema Seife im Mittelalter. Hirngespinste? Lest weiter…

Offenes Feuer

Heute ist offenes Feuer schwierig – weil wir zumeist keine passenden Feuerstellen mehrFeuer mit Stein haben. Holzkamine oder Öfen sind selten geworden, wir brauchen sie nicht mehr. Heizung haben wir von der Fernwärme, einer Hausetagenheizung, kochen tun wir auf Induktionsherden oder mit dem Dampfgarer. Auf den Terrassen der Wohnhäuser dürfen wir elektrisch grillen, und wenn wir mal wirklich über Kohle grillen werfen wir Alu-Tassen darüber damit sich ja keine Karzinogene bilden. Mit einem modernen Weber-Grill im Umluftverfahren etwas schonend garen ist für mich so weit vom Thema entfernt das es mich eigentlich nicht mehr interessiert.

Feuermachen ist heute leicht: etwas Papier, Holz, Zündhölzer oder ein Feuerzeug und es geht los. Noch einfach wenn man irgendwelche Brandbeschleuniger verwendet. Bis zur Erfindung der Zündhölzer war dies allerdings noch nicht so easy. Da wurde noch mit Feuerstein, Stahl und Zunder gearbeitet. Etwas was wir heute gar nicht mehr können. Drum hab ich jetzt auch einen Kurs dafür gebucht. Ist gar nicht so schwer, als Zunder kann Vieles herhalten, von Distel bis Pappelsamen, wichtig dabei ist nur der Stahl: der muss nämlich mindestens 0,9% Kohlenstoff enthalten, sonst gibt es keinen Funken beim Schlagen auf den Feuerstein. In Asparn an der Zaya hab ich mir sowas geschmiedet, und mich dabei in die Primitiv-Esse verliebt. Wieder eine neue Idee zum nachbauen….

Neuester Versuch (November 2011) – Zunder aus Waldrebe

Edit: Schaut zwar gut aus, bröselt aber beim Funkenschlagen weg ohne den Funken zu fangen 🙁

Hier noch ein paar Bilder von einem wirklich großen Feuer, in diesem Fall das Sonnwendfeuer beim Keltenfest in Schwarzenbach. Das macht schon was her…

Die psychische Komponente

Ich kenne leider keine Studien darüber, ich kann nur mich und Gleichgesinnte beobachten: Brennt ein echtes Feuer in der Mitte kommt irgendwann eine Phase wo alle gedankenverloren in die Flammen starren. Ruhig, entspannt, friedlich. gelassen, teilweise nachdenklich. Ich kenne einen DSA der diesen Effekt bereits ganz bewusst einbaut (siehe Link).

Wärme ist Leben

Selbst ein kleines Feuer liefert Wärme. In unseren Breiten ist und war Holz immer im Übermaß vorhanden. An einer geschützten Stelle, d.h. primär Schutz vor Regen von oben und einer, sei sie auch nur dünnen Wand im Rücken reicht selbst das aus um bei Minusgraden draußen zu überleben. Ein Iglo kann man mit einer Kerze soweit bringen das ein Überleben möglich ist. Jede noch so primitive Hütte erfüllt die Grundanforderungen.

Fladenbrot am SteinKochen auf offenem Feuer

Auch unsere Altvorderen standen nicht unbedingt auf Verbranntes. Über offenem Feuer kann man auf drei Weisen kochen: Spieß, hängender Kochtopf oder seitliche Pfanne. Ganz primitiv: man legt einen Stein in die heiße Glut. Hab ich schon ausprobiert, für primitive Brötchen oder Fleisch reicht das allemal. Ein Rost ist zwar bei allen modernen Grilltechniken inkludiert, hier muss man aber genau schauen das nur mehr Glut vorhanden ist. Würste am Spieß ins offene Feuer halten führt meistens zu verbrannten Ergebnissen. Eine Ausnahme bilden da noch die nicht mittelalterlichen Erdäpfel, die Krumpabeeren. Die wirft man einfach in die Glut, außen verbrennts und man löffelt das gekochte Innere heraus.

Rauch

Neulich hab ich in Galileo einen Bericht über eine interessante Studie gesehen: Wir wussten schon aus der Familie: wenn man am Klo ein Streichholz abbrennt riecht man nicht mehr was sich dort getan hat. Aber warum? Die Antwort: unser Gehirn riecht den Rauch, und nimmt keinen anderen Geruch mehr wahr weil das Reptiliengehirn aktiviert wird, d.h. wir gehen eigentlich in einen Gefahrenmodus und unterdrücken temporär die anderen Eindrücke.

Duftendes Mittelalter?

In der Literatur wird uns eindringlich der herrschende Gestank des Mittelalters aufgedrängt. Stinkende Städte, fehlende Kanalisation, ungewaschene Menschen, Tiere, Gerbereien, pfuuuh…ich glaub das so nicht!

In den Burgen, und, sehen wir es richtig “winzigen Dörfern” die später Städte werden sollen mag es gestunken haben. Die meisten dieser Geschichten kommen erst aus Zeiten wo die Städte wirklich zu Großstädten geworden sind – und dann eben die Kanalisation nicht mehr mitkam. Die Tiere tragen zum “ländlichen Geruch” weniger bei als heute, weil Massentierhaltung gab es damals nicht. Geht heute auf eine bewirtete Alm: Fruchtig, aber harmlos.

Die Körperhygiene mag nicht auf dem heutigen Stand gewesen sein. Deo war sicher kein Thema. Aber wenn ein Bauer vom Feld zurück kam hat er sich trotzdem – wie man das heute auch macht – den ärgsten Dreck abgeschwappt. Und vielleicht auch seine schmerzenden Füße in einem Zuber gebadet. Sicher hatten die Menschen damals trotzdem einen gewissen Eigengeruch – aber hier kommt der Rauch in der Hütte ins Spiel: Die Urzeit war schon lange vorbei, aber durch den einfachen Effekt des offenen Feuers (und der war damals wirklich in jeder Hütte gegeben) – roch man es einfach nicht.

Was auch ein einfacher Grund ist warum sich das (individuelle) Rauchen später durchgesetzt hat: so konnte man in der Pfeife den persönlichen Duftpuffer mit sich herumtragen, selbst wenn man die Abdeckerei besuchen musste oder neben dem Misthaufen wohnte.

Konservieren

In unserer Überflussgesellschaft landen viele Lebensmittel im Mist. Ein Luxus, den sich die Menschheit früher nicht leisten konnte. Ohne moderne Methoden stellen landwirtschaftliche Produkte nämlich vor allem ein Problem dar: Schlachte ich, auf einem kleinen Hof, ein Schwein so hab ich momentan Kiloweise Fleisch, Speck und Fett. Mehr als ich essen kann. Gleiches gilt für Obst oder Gemüseernten: alles saisonal abhängig und im Augenblick der Reife im Überfluss vorhanden. Wer einmal einen Zwetschkenbaum abgeerntet hat kennt das: alles gleichzeitig reif, muss vom Baum runter – und dann schnell verarbeitet werden.
Im Winter ist dann dagegen kaum Nachschub zu erwarten.

Hier liefern Rauch und Feuer wichtige Konservierungsmöglichkeiten. Zwar geht es hier schon um speziellere Konstruktionen, aber durch Räuchern kann man die Haltbarkeit von Fleisch, Würsten oder Fisch auf Monate verlängert werden. Und warm- oder kalträuchern ist, gerade wenn man über einen Herd mit offenem Feuer verfügt, kein wesentliches Problem

Die zweite Möglichkeit die sich hier anbietet ist das trocknen oder dörren. Dörrfleisch und Früchte halten sich, trocken gelagert, praktisch unendlich. Auch Pilze, die sonst in kürzester Zeit verderben lassen sich so für den langen Winter verarbeiten. Hab ich alles schon ausprobiert, auch wenn ich hier statt im großen Dörrofen mit der zeitgemäßen elektrischen Variante arbeite. Kombiniert mit Getreide und Hülsenfrüchten kann man sich so ausgewogen über den Winter bringen, sofern man es vor Nagern retten kann. Aber hier schweife ich schon zum kochen ab.

Asche

Hier wird es etwas chemisch, aber da müsst ihr durch: Jeder heutige Outdoor-Cook weiß das man mit Asche auch einen fettigen Topf sauber kriegt….Angebranntes ist eine andere Geschichte, da ist man mit Sand (scheuern) besser unterwegs. Asche kann man direkt anwenden, oder man wäscht sie aus. Das gibt dann eine schwache Kalilauge. Gefiltert und reduziert sogar eine ziemlich intensive. Kocht man diese dann mit einem Fett, egal ob Olivenöl oder Schweinefett, kriegt man Schmierseife. Tja, und hier wird mein chemisches Wissen etwas dünn. Soweit ich es verstanden habe (ich sammle derzeit noch Lauge für die ersten Versuche) kann man durch salzen (Natriumchlorid, NaCl) eine Reaktion bewirken die in etwa so aussieht: KaOH+NaCl=NaOH+KaCl, also Natronlauge und Kaliumchlorid. Dann flockt harte Kernseife aus. Ob das wirklich funktioniert kann ich erst sagen wenn ich mehr Lauge zusammen habe. Das ist auch wieder so ein Beispiel wie Gedanken übers Feuer zu ganz anderen Disziplinen führt.

Worauf ich hinaus will: Jeder Haushalt hatte früher ein Feuer. Feuer=Asche. Selbst mit reiner Asche wurde im vorigen Jahrhundert noch Wäsche gewaschen. Oder der Fußboden mit Schmierseife. Und damit stell ich mal in den Raum: das konnten die sicher schon im “finstersten Mittelalter”. Und wenn der Alte im Mittelalter über Gebühr geböckelt hat wird ihm seine Frau auch den Aschekübel, oder Schmierseifetopf, oder die Kernseife gereicht haben mit den Worten: “Brav warst heut. Und jetzt wasch dich gfälligst, sonst schlafst im Stall!” Randnotiz: Überliefert ist auch der am unteren Ende der sozialen Skala stehende Beruf des Aschesammlers, der auf den Höfen Asche für die Seifensieder sammeln ging, im Austausch gegen Seife. Ich schätze aber mal das dies erst später aufkam, im Frühmittelalter war Salz zu wertvoll als das man sich Sorgen um die Frage: harte oder weiche Seife? machte. In herrschaftlichen Häusern vielleicht, am Land sicher nicht.

Edit: Inzwischen bin ich damit schon etwas weiter, daher gibt’s auch schon eine eigene Seite “Seife”.

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